Biermanufaktur Hilden: Gemeinsam geht mehr

 

Ja, 21null3. Wie die Vorwahl von Hilden, der kleinen Stadt neben Düsseldorf. So heißt das Bier, dass Steffen Kirchhoff einst alleine braute und Vertrieb. Seit Mitte 2017 mischt nun auch Pavel Pilz im Sudkessel mit. Wie, Warum und Wieso überhaupt? Die beiden Biermacher im Interview.

Wir müssen einmal die Lederhosen aus dem Kopf bekommen. Wenn wir an Bier denken.
Denn: Was in Nord-, Süd- und Ostdeutschland zu gerne vergessen wird, ist, dass der deutsche Westen zum einen ein ganz wesentlicher Umschlag- und Produktionsort der deutschen Bierwirtschaft ist und dass es zweitens hier eine ganz eigene Biertradition gibt.

Drittens gibt es im Westen viel Neues. Craftiges, wenn man so will.

Ein Beispiel für die Neu-Hobbybrauer-Bewegung im Bergischen ist die Biermanufaktur Hilden. Ein Hildener Brau-Duo, das Tradition pflegt und deshalb Honigbier, Helles und Rotbier macht.

Nur Bahnhof? Ach kommt.

 

Fangen wir mit dem Namen an. 21null3 wie was? Und warum?

Pavel Pilz: Alte Geschichte. Aber ich erzähle Sie gerne, als Steffen die Idee mit dem Bier hatte, brauchte er einen Namen. Da wir uns kannten und er wusste das ich mich für Hopfen, Malz und natürlich Bier interessiere, wollte er wissen was ich von der Idee halte das Bier nach Hildener Postleitzahlen zubennen. Nach einigen Tagen des überlegens und der Kreativität sind wir von den Postleitzahlen auf die Vorwahl gekommen. Dies war auch meine erste Berührung mit dem Hildener Bier. Es ist aber eine Story, die ich gern mal beim Kneipenabend auspacke…

Steffen Kirchoff: Ist ja auch eine nette Idee, so kann man Hilden als Bier immer mit dabei haben. Ich wussten damals nicht das wir noch weiter Sorten ins Sortiment aufnehmen werden. Um das 21null3 als Marke zu festigen haben wir dann gemeinsam die Biermanufaktur Hilden im letzten Jahr gegründet.

Ok, also ich sehe schon: Heimatverbundenheit spielt für Euch eine große Rolle…

Steffen: Schon, die Stadt, die treibt mich einfach um und auch an. Hilden ist nicht nur die Stadt neben der „Alt“ Stadt Düsseldorf. Da ist einfach noch nicht genügend im Craft Beer Bereich los. Das wollen wir ändern.

Pavel: Es fehlt noch am Bewusstsein für gutes Bier. Bier kann so viel. Das weiß ich jetzt einfach noch besser, seit ich es selber mache. Wie viel Arbeit da drin steckt! Man muss Geld investieren, man muss Mut haben. Und ich denke mir dann immer: „Boah, es muss viel mehr Anerkennung stattfinden.“ Gerade

auch hier im Rheinland, in unserer Heimat.

Ihr seid aber keine gelernten Bierbrauer, oder?

Steffen: Nein, nur ambitionierte Biertrinker. Anfangs. Letztendlich ist das 21null3 auch aus einer Bierlaune entstanden. Irgendwann habe ich mir gesagt: „Warum nicht selber brauen.“ Vor gut drei Jahren haben ich dann ein kleines Heimbraugerät gekauft und so nahm die geschichte ihren lauf.

Pavel: Was gibt es denn geileres zu sagen als: „Mann, ich brau mein eigenes Bier“? Und dann haben wir natürlich auch viel Lob von Freunden bekommen, die es probiert haben, das hat uns stolz gemacht und war, wie soll ich sagen, aufregend und spannend.

Und wann habt ihr beschlossen, Euer Bier auch zu verkaufen?

Steffen: Anfangs Gar nicht, ich habe einfach nur ausprobiert und mich gefreut, dass die meisten Biere trinkbar waren. OK, manche waren so speziell, dass man gar kein Bock drauf hatte sie zu trinken. Als ich dann das Bier zu Freunden mitgebracht habe und es gut angekommen ist, wurde schnell klar, dass das Bier auch Abnehmer finden kann.

Pavel: Nach dem ich dem Bier schon beim Namen helfen konnte, hat mich die Geschichte mit dem Hildener Bier nicht mehr losgelassen. Ich bin zusammen mit Steffen zu den Kneipen und Bars in Hilden gegangen und wir haben versucht die Besitzter zu überzeugen, dass das Bier gut ist. Das hat auch geklappt. Nach der Umstellung von 0,33 Liter auf 1 Liter Flaschen haben wir uns aber auf die Getränkemärkte konzentriert. Das läuft Super!

Wie seit ihr denn Partner geworden ?

Steffen: Pavel hat das Bier immer im stille begleitet. Ob bei der Namensgebung oder beim Vertrieb. Er hatte immer ein offenes Ohr und hat viele Ideen eingebracht. Da war es nur logisch das es mal zu dem Schritt kommt gemeinsam das Bier zubrauen und zu vermarkten. Komisch das wir nicht vorher auf die Idee gekommen sind das Projekt Hilden Bier gemeinsam anzupacken.

Pavel: Ja, und als wir im letzten Jahr gemeinsam überlegt haben welches Bier den Hildenern noch gefallen könnte, hat Steffen den Vorschlag gemacht ob ich nicht mit einsteigen möchte. Ich habe sofort Ja gesagt. Das erste gemeinsam gebraute Bier „Castan“ haben wir dann auf dem Itterfest verkauft.

Wo braut Ihr?

Pavel: Wir brauen in Neuss.

Steffe: Nicht einfach nur in Neuss, wir brauen in der zweit ältesten Altbierbrauerei. Dort können wir gemeinsam mit dem Braumeister unsere Rezepte überpüfen. Thorsten hat einfach die Erfahrung, was man feinjustieren und wie man das Brauprotokoll von uns auf seine große Anlage umschreiben muss, so dass es klappt und es dann auch wirklich eins zu eins so schmeckt, wie die Biere die wir zu Hause gebraut haben.

 

Ihr seid aber beide noch in anderen Berufen tätig?

Pavel: Ja, ja, das ist alles nebenberuflich quasi ein Hobby, was wir machen. Craft Beer und Geld verdienen ist eben auch immer so‘n Ding und ein langer, steiniger Weg.

Steffen: Genau, es läuft jetzt neben dem Beruf, deswegen. Wäre natürlich schön, wenn man irgendwann mal ein paar Euros damit verdienen kann, gar keine Frage. Bis jetzt haben wir alles, was wir eingenommen haben auch sofort wieder ausgegeben. Neuen Sud, Etiketten, Barcode, Flaschen usw. Aber das genau macht uns auch richtig Bock.

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